Mit der neuen Version 6 stellt das Berliner Unternehmen Bitwig unter Beweis, dass es auch an Software-DAWs immer noch etwas zu verbessern gibt.
Einiges an Feinschliff ziert das Audioproduktions-Komplettpaket Bitwig Studio, das seit der ersten Version aus dem Jahre 2014 in mittlerweile sechster Ausgabe vorliegt. Ab sofort steht Bitwig 6 als öffentliche Beta-Version zur Verfügung, zu der Early Adopter eingeladen sind, Verbesserungsvorschläge einzubringen. Der endgültige Release Candidate dürfte spätestens im Herbst vorliegen.
Wer Bitwig Studio, Producer oder Essentials einsetzt und upgradeberechtigt ist, kann die neue Version schon jetzt kostenfrei testen. Für Bitwig-Neulinge steht eine limitierte Testversion zur Verfügung, mittels derer sich ein guter Überblick zum programmtypischen Workflow gewinnen lässt. Von Beginn an ist Bitwig nicht nur für Microsoft Windows und Apples Mac OS erhältlich, sondern auch für das quelloffene Betriebssystem Linux. Nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal unter den kommerziellen Anbietern ähnlicher Software.
Verbesserungen en gros und en détail
Beim Programmstart der Version 6 fällt altgedienten Bitwig- Anwendern sofort die neue Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche auf. Sie lässt sich einfacher als bisher an persönliche Vorlieben anpassen, und die Farbcodes sind besser aufeinander abgestimmt. Die neue Oberfläche wirkt angenehm übersichtlich und intuitiv. Auch die Bearbeitungswerkzeuge sind über eine rechts platzierte Palette blitzschnell aufzurufen und haben mit neuen Tools wie Audition Zuwachs erhalten. Das größte Augenmerk bei der Generalüberholung ist aber auf der Automatisierung respektive deren Bearbeitung gelegen.
Neben vereinfachter Gestensteuerung bietet Bitwig 6 neue Automatisierungsfunktionen und ermöglicht das Einfügen von Automation Clips. Diese lassen sich wie Audio Clips bearbeiten und bieten im Verbund mit manuell via Pencil-Werkzeug oder der neuen Spray Can erstellten Automatisierungskurven ein riesiges Repertoire an Möglichkeiten, Aufnahmen zu ändern und in verschiedenen Versionen zu speichern. Neu sind auch die Clip Aliases, eine Art Verknüpfung mit einer Automatisierungs-, Notations- oder Audio-Datei, die alle Änderungen am Original sofort übernimmt. Eine Kopie der Originaldatei ist also nicht mehr nötig.
Intuitiv, flexibel und produktiv
Eine weitere originelle Idee des Bitwig-Entwicklerteams liegt in der neuen Funktion, einem Arrangement nicht nur Tempo und Taktart zuweisen zu können, sondern auch eine Grundtonart. Hier stehen neben Dur- und Moll sowie Ganzton- und Obertonleitern auch die alten Kirchentonarten wie Dorisch, Lydisch, Phrygisch oder Mixolydisch zur Verfügung. Die gewählte Tonart ist in der Klaviaturansicht zu sehen und kann über die Funktion „Snap to Key“ für harmonisch korrektes Editieren eingesetzt werden. Auch Effekte und Arpeggiator können davon profitieren. Die Tonarten selbst lassen sich mittels Automation für ein ganzes Arrangement anpassen und ändern.
In Summe betrachtet sind erstaunlich viele Neuerungen in Bitwig 6 eingeflossen, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Gerade die Detailverliebtheit und das Einfühlungsvermögen in eine Vielzahl unterschiedlicher Produktionsumgebungen sind es, die Bitwig als relativ kleines Unternehmen gegenüber Branchengrößen wie Apple und Yamaha bestehen lassen. Dies sowie die Tatsache, dass sich für weniger als 400 Euro eine hervorragende Rundum-Produktionsplattform erwerben lässt, spricht auch angesichts des allgegenwärtigen KI-Hypes eindeutig für Software wie Ableton 6.
Quelle: Messe & Event Magazin
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